"W. A. Mozart in Wasserburg 1842

Mozartbüste

Vor über 150 Jahren hat die Bürger der "gemüthlichen Halbinselstadt" Wasserburg ein besonderes Ereignis bewegt. Der Transport eines bronzenen Mozartdenkmals von München nach Salzburg mit dem Aufenthalt, oder wie die Zeitgenossen zu sagen pflegten, der "Durchführung" der Statue durch die Stadt Wasserburg.

Über das Geschehen berichtete der "Bayerische Eilbote" in seiner Ausgabe vom 12. August 1842. Der mit J. M. signierte Artikel bedauert vor allem das bislang gestörte Verhältnis der Münchner Gesellschaft zu W.A. Mozart:

"Als vor ungefähr 60 Jahren Wolfgang Amadeus Mozart die Stadt München verließ, wo er gerne geblieben wäre, und wo er auf Auftrag seinen Idomeneo componirt hatte, da mögen ihm wenige Herzen nachgeschlagen haben, da wird er wohl ohne Ehrengeleit aus der Stadt gezogen seyn; hier blühte ihm kein Lorbeer: sein Idomeneo war hier durchgefallen! - 60 Jahre sind verflossen, die Zeiten haben sich geändert. Mozarts Werke sind ächte Diamanten: sie waren oft überfluthet von dem Sande der Wüste, dem Geschmack der Mode; aber ein guter frischer Wind blies in die staubigen Wogen und in einem neuen Glanze tauchten sie wieder auf, jene edlen Steine rückstrahlend den himmlischen, unvergänglichen Schimmer wahrer Kunst und Genialität. Unserer Zeit war es vorbehalten, die große Schuld abzutragen, welche unsere Vorfahren durch Nichtanerkennung und kränkenden Vernachläßigung des Meisters auf sich geladen hatten .... Mozarts Statue, deren Enthüllung am 4. September in Salzburg stattfinden wird, sahen wir lange in den berühmten Hallen der hiesigen k. Erzgießerei, in Modell und Guß ausgeführt ..."



"Armer Mozart! Man ehrt deine Werke; dich, den Schöpfer derselben, hat man vergessen ... Zum zweytenmale mußte der König der Musik ohne Sang und Klang unsere Stadt (München) verlassen. Als an jenem Morgen des 7. August der Wagen, durch Stiglmaiers liebevolle Sorgfalt reich gezieret, mit der theuren Last Münchens Straßen passirte, wo waret ihr da, Söhne Euterpes, die ihr bei euren Productionen durch Mozarts Sonne glänzet (und) ihr, die ihr eure Blätter mit Panegyriken (= Lobreden) des vielberühmten Mannes füllt, die sein bloßer Name zu lieblichen Redeweisen stimmt? Ihr laget wohl alle (am 7. August) noch in den warmen Federn, eingeschIummert vielleicht unter dem Nachhalle mozartischer Melodien ... "

Den Abtransport des Mozartdenkmals aus München hatte sich der zutiefst enttäuschte Zeitgenosse wohl anders vorgestellt. Er schrieb: "Die ganze musicalische Welt mit ihren Pertinenzien dachte ich mir in der rührigsten, freudigsten Bewegung ... Leute, die in Mozart und von Mozart leben und genießen, glaubte ich zu Tausenden um den geschmückten Wagen geschaart zu sehen. Doch nur einige haben sich (ein)gefunden, die in ehrender Pietäit Kränze flochten und sie als Trophäen an den Siegeswagen hängten.
Denkt, ein Musicalischer fand sich doch bei dem Zuge. Es war der Bursche, der mit rüstigen Armen die sechs Hengste am Wagen lenkte; er pfiff ein munteres Liedchen: Er hat euch ausgepfiffen."



Folgt man den Äußerungen des Verfassers im Bayerischen Eilboten, dann hat die Residenzstadt München keinen "Beweis der heiligsten Verehrung des hohen Meisters und seiner göttlichen Kunst" abgelegt.

ZoomIn Wasserburg aber löste die Kunde, daß "laut sicherer Nachrichten das in Salzburg zu errichtende Monument Mozarts, des größten Tondichters, am Mondtage, den 8ten August (1842) hier ankommen, und in Folge eigener gütiger Berücksichtigung des Herr Professors (= Johann Stiglmaier, Erzgießer) einige Zeit hier verweilen und nach Oeffnung des Verpack besichtigt werden wird", große Begeisterung aus. Bereits am 30. Juli richtete die Vorstandschaft des "Sängervereins Wasserburg" eine Bittschrift um Erlaubnis einer "kunstsinnigen Demonstration" an den hochlöblichen Magistrat. Derselbe möge diesem Unternehmen, "das schon in der Tendenz der hiesigen Stadt zur Ehre gereichen muß seine gütigste Unterstützung zuwenden".



"Mozart wird kaum geahnt haben, welche Huldigung ihm 51 Jahre nach seinem Tode in dieser gemüthlichen Halbinselstadt dargebracht werden würde", meint der Berichterstatter des Bayerischen Eilboten in der Ausgabe vom 17. August 1842. Ihm sind auch die nachfolgenden Zeilen entnommen: "Zwar kennt man in diesem bescheidenen Wohnsitze fröhlicher Bürger nur Bruchstücke der unvergänglichen Werke ... aber noch immer tönen im Tempel des Herrn die herzerhebenden Lob- und Bittgesänge, welche er dem Höchsten widmete. Diese ehrwürdige Stadt, welche stolz darauf ist, auch aus ihrem Schoße große Tonmeister (Abraham Megerle zu Orlandos Zeiten und Kapellmeister Aiblinger in unseren Tagen) erzeugt zu haben, sollte die Gelegenheit der Durchführung ungenützt vorübergehen lassen, dem unsterblichen, als Fürsten der Töne anerkannten Meister bei Gelegenheit der Durchführung seines Ehrenmales ihre Verehrung auszusprechen? München tat dieses bei der Gelegenheit, wo das Kunstbild die Hülle verließ - Salzburg wird es großartig vollendet tun, wenn es feierlich enthüllt wird. Wohlan, so mochte denn die einzige Zwischenstadt, das romantische Wasserburg, den mittleren Zeitpunct bei dessen Durchführung hiezu benützen".